Zum 22. Sonntag im Jahreskreis 30.08.2020

Liebe Gemeinde, liebe Freunde !
 
Meditation von Padre Peter Seibt von unserer kath-Schwestergemeinde San Jose, z
um 22. Sonntag im Jahreskreis 30.08.2020
 

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Mitlieder der deutschsprachigen Gemeinden in Peru!

Auf diesen Sonntag fällt das Fest der Heiligen Rosa von Lima, der Patronin Limas, Perus und von ganz Lateinamerika. Sie ist die erste Person, die in Amerika heiliggesprochen wurde und wird heute nach wie vor hoch verehrt. Deswegen möchte ich ihnen diese Frau vorstellen und hoffe ihnen eine Christin nahebringen zu können, die ihren Glauben konsequent gelebt hat.
Geboren wurde sie unter dem Namen Isabel Flores de Oliva im Jahr 1586 in Lima. Schon früh zeigte sie eine tiefe Religiosität und in ihr wuchs der Wunsch, ihr Leben ganz Gott zu weihen. Den Namen Rosa erhielt sie im Übrigen bei der Firmung durch den damaligen Erzbischof Santo Toribio von Mongrovejo. Er überreichte ihre bei dieser Feier eine Rose. Ihre Eltern wollten Isabel eigentlich gut verheiraten, sie aber widersetzte sich diesem Ansinnen und wurde Mitglied im dritten Orden der Dominikaner. Sie eiferte ihrem Vorbild der Heiligen Katharina von Siena nach und lebte als Reklusin im Garten ihrer Eltern in einer kleinen Hütte. Ihre Bußübungen mögen uns heute sehr fremd und überzogen erscheinen, waren aber aus dem Wunsch entsprungen, ihrem Herr und Meister Jesus Christus vollständig auch im Leiden nachzufolgen. Ja, diese Selbstkasteiungen empfanden sogar ihre Beichtväter übertrieben und geboten ihr deshalb, milder mich sich umzugehen. Trotz ihrer tiefen Mystik, ihrer tiefen Verbundenheit mit Gott, war sie keine weltabgewandte, abgehobene Person. Sie arbeitete für ihren Unterhalt, in dem sie Webarbeiten fertigte und Gartenarbeit machte. Dazu kam, dass sie sich um kranke Menschen, vor allem um schwarze Sklaven und Indigenas, kümmerte. Sie nahm sie bei sich auf und pflegte sie. Dazu kam, dass sie als Frau in dieser Zeit und in dieser kolonialen Gesellschaft lebend, sowohl den mächtigen Klerus für seine Verweltlichung und die Kolonialherren für ihre Grausamkeit und Gier kritisierte. So verstand sie auch ihr Leiden als stellvertretende Buße für die Verbrechen ihrer spanischen Landsleute an der Indigenas und Sklaven. Wenn das uns auch komisch vorkommt, so kann man darin doch auch ein Zeichen ihres Protestes gegen die damaligen ungerechten Verhältnisse sehen. Deswegen war Rosa auch beim einfachen Volk hoch beliebt und wurde nach ihrem Tod 1617 mit nur 31 Jahren bald wie eine Heilige verehrt.

Von daher hat diese Heilige durchaus eine wichtige Botschaft an uns. Ich selber kannte sie aus Beschreib-ungen, die in Deutschland so kursieren, nur als große Mystikerin, die Jesus Christus durch Gebet und strenge Bußübungen diente und eben nicht viel mehr. Inzwischen entdecke ich in ihr eine Frau, die Mystik mit aktiv gelebten Christensein verband. Sie zog sich nicht nur in ihre Zelle zurück, um mit ihrem Gott verbunden zu sein und für sich selig zu werden. Sondern sie sorgte sich auch um die Kranken aus den ärmsten Schichten, den Sklaven und den Indigenas, nahm diese bei sich auf und pflegte sie. Und zuletzt war sie durchaus auch politisch. Wenn sie sowohl den allmächtigen Klerus für seine Lebensweise und die Kolonialherren für ihre Grausamkeiten kritisierte, bedurfte das viel Mut für eine Frau in der damaligen Gesellschaft.

Damit zeigt Rosa von Lima auf, wie Christsein gehen kann. Da ist einmal die Entschiedenheit für Jesus, die sich in der Verbundenheit mit ihm im Gebet, in der Anbetung zeigt. Diese mystische Seite in uns muss sich dann prägen lassen von der Person und Botschaft Jesu, so wie sie uns die Bibel aufzeigt. Das aber wiederum muss auch dazu führen, dass ich Jesus Christus in den Mitmenschen, vor allen in denen in Not, erkenne und denen nach meinen Kräften helfe. Aber Rosa zeigt auch auf, dass Mystik nicht nur etwas Weltabgehobenes ist. Sie hat auch auf ihre Weise, wie es damals für sie gegangen ist, gegen die Ungerechtigkeiten ihrer Gesellschaft protestiert und Zeichen der Solidarität gesetzt. Und damit war sie eine treue Jüngerin Jesu und ein Vorbild, das heute nicht auf dem Podest einer verklärten Heiligkeit verstauben sollte.
Ich wünsche Gottes Segen, einen schönen Sonntag und eine gute Woche.

Herzliche Grüße
Peter Seibt, Pfarrer San Jose Miraflores .