Sonntagsandacht: „Kein Tag wie jeder andere“ von Pastor Hans-Jürgen Hoeppke

Pastor Hoeppke ist im Urlaub. An den letzten zwei Sonntagen wurde er dankenswerterweise durch die Prädikantinnen Gaby Schmidt und Annemarie Schreier vertreten. Am heutigen Sonntag gibt es keine Videobotschaft. Daher heute die Andacht unten. Sie entstand vor der Urlaubszeit von Pastor Hoeppke und hat das Thema: Kein Tag wie jeder andere.
 

KEIN TAG WIE JEDER ANDERE

"Es lebten einst sieben Brüder zusammen. Sechs gingen zur Arbeit, der siebte besorgte den Haushalt. Wenn die sechs Brüder müde von der Arbeit heimkehrten, fanden sie das Haus geordnet, das Essen bereitet und alles in bester Ordnung. Darüber freuten sie sich und lobten den siebten Bruder.

Aber einer der Brüder wollte klüger sein als die anderen. Er schimpfte den siebten Bruder einen Faulenzer und Tagedieb, der auch mit zur Arbeit gehen und sein Brot verdienen sollte. Das böse Wort fand leider bei den anderen Gehör. Sie beschlossen einmütig, dass ihr siebter Bruder nicht länger seines bisherigen Amtes wallten sollte. So nötigten sie ihn denn, gleich ihnen Axt und weiteres Werkzeug zu nehmen und mit ihnen früh am Morgen an die Arbeit zu gehen.

Als nach langer schwerer Arbeit endlich der Feierabend kam,
traten sie alle sieben zusammen den Heimweg an. Müde und abgespannt kehrten sie nach Hause. Aber kein heller, freundlicher Lichtschein winkte ihnen entgegen. Keine fürsorgende Hand hatte das Haus geordnet und den Tisch gedeckt. Kein Bruder stand an der Haustür und empfing sie mit einem herzlichen Wort.

Jetzt erst merkten sie, wie töricht sie gehandelt hatten, als sie ihren siebten Bruder seines stillen Dienstes enthoben. Sie fühlten sich, weil es ihre eigene Schuld war, doppelt elend und verlassen. Da beschlossen sie, ihn wieder in sein Amt einzusetzen. Das verlorene Glück des Bruderkreises kehrte mit seinem heimlichen Segen zu ihnen zurück.“ (aus: A. Kühner, Überlebensgeschichten für jeden Tag, Wuppertal 1996)

Diese Geschichte wiederholt sich jede Woche. Der Sonntag ist unter seinen „Werktagbrüdern“ der Tag, der den anderen sechs Tagen Licht, Heil und Segen bringt. Aber wir haben ihn verstoßen. Nun kommt von ihm keine Kraft, keine Ruhe, kein Frieden mehr. Wir müssen den Sonntag wieder in sein Amt einsetzen. Gott gab uns in der Reihe der Alltage einen besonderen Tag. Er ordnete nach den Arbeitstagen den Ruhetag. Er stiftete in der Abfolge der Werktage den Feiertag. Gott segnete und heiligte den siebten Tag und vollendete seine Schöpfung im Ruhen und Feiern.

Wer sich diesen Tag von Gott und für Gott nicht mehr gönnt, schneidet sich selbst von der Quelle und vom Ziel des Lebens ab. Er vergisst, dass das Leben nicht im Haben, sondern im Empfangen besteht. Er arbeitet nicht mehr, um zu leben, sondern er lebt, um zu arbeiten. Er gewinnt keinen Tag, sondern er verliert alle Tage. Wir müssen den Sonntag wieder in sein Amt einsetzen.

"Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligest!“ (2. Mose 20,8)

Allen, die sich heute den Sonntag gönnen, wünsche ich einen ruhigen, gesegneten und arbeitslosen Sonntag und eine sich daran anschließende gesunde und arbeitserfüllte Woche,

Euer/Ihr Hans-Jürgen Hoeppke



Wie immer: Falls Sie/Ihr ein Gespräch mit Pastor Hoeppke sucht, sendet einfach eine E-mail an die bekannten Kontaktdaten:
pastor@ev-kiche-peru.org

Pastor Hoeppke ist vom 19. Juli bis zum 09. August urlaubsmäßig nicht erreichbar. Anfragen senden Sie bitte an oficina@ev-kirche-peru.org