Zu Fronleichnam

Gedanken zu Fronleichnam von Pfarrer Peter Seibt
 
Als Zeichen unserer ökumenischen Verbundenheit mit der katholischen Auslandsgemeinde in Lima freuen wir uns über Beiträge, die der katholische Auslandspfarrer für Peru, Pfarrer Seibt, für unseren Newsletter geschrieben hat und schreiben wird. Wir nehmen sie gerne auf. 
 
In diesem Sonntags-Newsletter sind Gedanken von Pfarrer Peter Seibt zum Fest Fronleichnam zu lesen. 
 
Fronleichnam ist ein altes katholisches Fest, das weit vor die Reformation zurückreicht. 
Hat es heute, nach mehr als 500 Jahren Reformation, in der aktuellen Coronasituation auch evangelischen Gemeinden etwas zu sagen? 
 
Ich wünsche Euch/Ihnen eine gesegnete Woche, 
 
Euer/Ihr Hans-Jürgen Hoeppke
 

Zu Fronleichnam   14.06.2020

Liebe Leserinnen und Leser der evangelischen Geschwistergemeinde,
am Sonntag feiern wir ein urkatholisches Fest, Fronleichnam. Liturgisch ist eigentlich der Donnerstag vorher der richtige Tag. In überwiegend katholischen Gebieten deutschsprachiger Länder ist deswegen der Donnerstag nach Dreifaltigkeit nach wie vor Feiertag.
Fronleichnam hat sich im 12. Jahrhundert als Fest der Eucharistie entwickelt. Da der eigentliche Tag der Einsetzung der Eucharistie während des Abendmahles am Gründonnerstag ist, wollte man ein Fest, das diese Einsetzung in besonderer Weise würdigt. Der Gründonnerstag steht stark unter dem Einfluss des Karfreitages. Da will und kann man dieses große Geschenk der Liebe nicht in entsprechender Weise feiern. Deswegen wurde ab 1246 dieses Fest ausgehend von Lüttich in der ganzen Kirche zum großen Festtag. In Prozessionen wird die gewandelte Hostie, der Leib Christi durch die Straßen getragen. Das ist einmal Ausdruck natürlich unseres katholischen Glaubens, dass Jesus Christus in der einmal gewandelten Hostie immer gegenwärtig ist. Es ist aber darüber hinaus ein Symbol, dass Jesus Christus nicht nur in unseren Kirchengebäuden gegenwärtig ist, sondern auch dort, wo wir leben. Er begleitet uns auf unseren Lebenswegen. Diesen Glauben will die Prozession mit dem Allerheiligsten Sakrament stärken und unterstützen.
In diesem Jahr wird an Fronleichnam ein Abschnitt aus der Brotrede bei Johannes vorgelesen. (Joh 6, 51-58) Interessanterweise gibt es im Johannesevangelium keinen ausführlichen Bericht über das Abendmahl. Stattdessen wird darauf hingewiesen, dass Jesus während dieses Mahles den Jüngern die Füße gewaschen hat. Als Grund dieser Handlung sagt Jesus: „Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.“ (Joh 13,14f)
Johannes hat statt des Abendmahlsberichtes seinen Fokus auf die Brotvermehrung gelegt (Joh 6,1-15) und auf die anschließende Rede über das Himmelsbrot (Joh 6,22ff). Wie bei den drei anderen Evangelisten legt Jesus bei der Brotvermehrung Wert darauf, dass seine Jünger sich erst einmal darum bemühen, Brot und Fische herbeizubringen, bevor er das große Wunder tut. Aus wenigem, aus fünf Broten und zwei Fischen macht er viel. 5000 Menschen werden satt und es bleibt noch übrig. Manche Ausleger heute glauben, dass das Wunder darin bestand, dass die Menschen das Mitgebrachte Brot zu teilen begannen, als die Jünger anfingen zu teilen. So kam es, dass schließlich so viele satt wurden.
In der Brotrede deutet Jesus an, dass er uns seinen Leib und sein Blut zum Essen und zum Trinken gibt. Im gewandelten Brot und Wein ist er gegenwärtig. Diese Gaben sind nach der Wandlung sein Fleisch und sein Blut. Das heißt, er ist in diesen Gaben gegenwärtig. Er ist mitten unter uns. Er ist das Brot des Lebens. In der Eucharistie empfangen wir ihn selber. Er ist dann in uns und stärkt uns.
Wenn ich nun die Bibelstellen zusammen betrachte, dann bedeutet das doch: Wir dürfen in großer Dankbarkeit Fronleichnam feiern. Wir danken, dass Jesus sich uns im Brot des Lebens schenkt. Gleichzeitig ist es aber auch Verpflichtung. Wenn wir Eucharistie, wenn wir Abendmahl feiern, dann ist das auch Verpflichtung für uns im Sinne Jesu zu handeln. Wir müssen einander dienen, wie es Jesus getan hat als er den Jüngern die Füße gewaschen hat. D. h. wir müssen einander gut tun, einander beistehen, auch wenn das Überwindung kostet. Wie das geht, beschreibt die Brotvermehrung. Wir dürfen nicht erwarten, dass Jesus von sich allein das Wunder tut. Wir sind vielmehr eingeladen, unsere Güter miteinander zu teilen, dass schließlich alle satt werden. Denn wenn wir in der Eucharistie Jesus Christus das Brot des Lebens empfangen, dann können wir doch nicht anders als das Brot, das wir zum Leben brauchen, mit denen zu teilen, die im Moment in unserer Stadt in unserem Land wegen der Coronakrise, nicht genug Brot haben, um zu überleben.
Deswegen bitte ich Sie herzlich, eine Organisation zu unterstützen, die den Menschen hilft, die im Moment bei uns nicht genug zum Leben haben. Hans Jürgen Hoepke, ihr Pastor, hat mir erzählt, dass die Gemeinde Cristo Rey unterstützen, die sich besonders um venezolanische Flüchtlinge kümmert. Das ist im Sinne Jesu. Denn die Eucharistie, das Abendmahl, das wir in unterschiedlicher Weise und leider noch getrennt feiern, fordert uns zum solidarischen Handeln heraus. Nur, wer das tut, hat verstanden, was die Feier des Abendmahles uns sagen will. Ich danke ihnen herzlich und wünsche ihnen einen guten Sonntag und eine gesegnete Woche.

Peter Seibt, Pfarrer San Jose Miraflores.