Zum Fest Epiphanie 3. Januar 2021

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Mitlieder der deutschsprachigen evangelischen Gemeinden in Peru!

Zunächst wünsche ich Ihnen auch im Namen der katholischen Pfarrei San Jose, ein gesegnetes, friedvolles und gesundes Jahr 2021. Hoffen wir und beten wir darum, dass es ein besseres Jahr wird wie 2020.
Am Sonntag feiern wird das Fest Epiphanie, Erscheinung des Herrn, hier in Peru. Im deutschsprachigen Raum wird das Fest oft nur als Dreikönig bezeichnet. In meiner Heimat im Süden Deutschlands ist der eigentlich Festtag, der 6. Januar, nach wie vor ein Feiertag.
Aber schaut man in das Evangelium dieses Festtages (Mt 2, 1- 12), wird nur ein König erwähnt, das ist Herodes. Die Hauptdarsteller werden vielmehr als Sterndeutern bezeichnet. Der griechische Urtext spricht sogar von Magoi, also Magiern. Das waren weise Männer aus dem Osten, aus Babylonien oder Persien. Männer, die sich mit der Sternkunde auskannten. Es waren die Top- Wissenschaftler ihrer Zeit. Vermutlich waren die so prächtig gekleidet, dass man sie für Könige hielt. Und so sind in der Tradition aus den Sterndeutern drei Könige geworden. Es sind auch drei Könige, weil sie für die der Bereiche des Menschen stehen, für Leib, Seele und Geist, bzw. für Verstand, Gefühl und Willen. Königliche Menschen sind es, weil sie sich ihrer Würde bewusst sind. Und dennoch fallen sie vor dem göttlichen Kind nieder, weil sie in ihm etwas erkennen, was ihnen fehlt. In diesem Kind strahlt Gott selbst auf. Und wenn Gott in einem Menschen aufleuchtet, dann wird der Mensch zu dem, der er eigentlich sein soll, zu dem unverfälschten und einmaligen Bild Gottes, zu dem einzigartigen Ausdruck Gottes in der Welt. Der wahre König ist der, in dem Gott herrscht. Wenn Gott in uns voll und ganz herrscht, dann sind wir frei von der Herrschaft unserer Launen und Eigenschaften. Dann hat auch kein Mensch Macht über uns. Dann sind wir von niemand abhängig. Und zwar auch in dem Sinn, dass uns die Launen und Urteile der Mitmenschen nicht mehr beeindrucken und beeinflussen. Dann sind wir wahrhaft königliche Menschen.
Die Sterndeuter finden das Kind und fallen vor ihm nieder, um es anzubeten. Und sie breiten ihre Schätze aus: Gold, Weihrauch und Myrrhe. In ihren Gaben deuten die Magier an, wer das Kind der Maria im wirklichen Sinne ist. Gold weist auf den Glanz hin, den einen König umgibt. Der Weihrauch war das Geschenk für einen Gott. So bezeichnet die Gabe Weihrauch Jesus als den Sohn Gottes. Denn der Weihrauch steigt nach damaliger Vorstellung empor, um den Himmel zu öffnen. Und im Kind von Bethlehem hat sich der Himmel für uns geöffnet, in dem Gott selber zu uns herab gestiegen ist. Dieses Kind ist damit auch der Heiland. Es wird die Menschen heilen, vor allem von der Wunde, die den Menschen am bedrückt, von der Wunde des Todes. Dafür steht die Myrrhe, das Heilmittel aus dem Paradies, das alle unsere Wunden zu heilen vermag.
Die drei Gaben der Sterndeuter zeigen aber auch, wer wir eigentlich sind, welchen Traum Gott von uns geträumt hat. Wir sind königliche Menschen, also Königskinder. König meint in dem Zusammenhang denjenigen, der selber lebt, anstatt von außen gelebt zu werden, der selber herrscht, anstatt von anderen beherrscht zu werden. König ist der ganze Mensch, der zu sich und in sich steht. Und wir sind durch die Menschwerdung Gottes selbst zu göttl. Menschen geworden. Gott hat unsere sterbliche Natur verwandelt. In unserer Tiefe sind wir eins mit ihm. Darin besteht unser wahres Wesen. Weil Gott uns in der Geburt seines Sohnes vergöttlicht hat, brauchen wir uns nicht wie Götter zu gebärden, die sich über die anderen Menschen stellen und sie zu beherrschen versuchen. Wir haben es nicht mehr nötig, irgendwelchen Götzen nachzulaufen und zu meinen das Geld, Besitz oder Ansehen unser Leben sichern. Das göttliche. Leben ist in uns. Das will uns der heutige Tag wieder deutlich vermitteln. Und vielleicht ist das auch der Grund, warum früher bei uns und in der Orthodoxen Kirche heute noch am 6. Jan. auch die Taufe Jesu gefeiert wurde und wird. Denn die Taufe Jesu erinnert uns an die eigene Taufe. Und wie in der Taufe Jesus zugesagt wurde: Du bist mein geliebter Sohn, so hat Gott jedem von uns in der Taufe zugesagt: Du bist mein geliebter Sohn/ Du bist meine geliebte Tochter! Gerade diese Zusage will unserer Sehnsucht den Himmel öffnen, der Sehnsucht für immer ganz und gar geborgen zu sein, was letztlich nur im Himmel bei Gott möglich ist.

Ich wünsche Ihnen Gottes Segen und einen schönen Sonntag. Bleiben Sie gesund
Herzliche Grüße,

Pfr. Peter Seibt, Parroquia San Jose