Betrachtung zu Philipper 2,1-11

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Mitlieder der deutschsprachigen evangelisch- lutherischen Gemeinde in Peru!
Der Philipperbrief des Apostels Paulus ist ein besomderes Schreiben. Denn in der Stadt Philippi im Norden Griechenlands befand sich die Lieblingsgemeinde von Paulus. Philippi trug den Namen des König Philipp II. von Makedonien, dem Vater Alexander des Großen (356- 323 v. Ch.). Von hier war Alexander mit seinem Heer aufgebrochen, um im 4. Jahrhundert vor Christus Asien zu erobern. Wie sie vielleicht wissen, hat Alexander in einem spektakulären Kriegszug in nur 10 Jahren sowohl Ägypten wie auch Asien bis hin zum Indus erobert. Dabei hat er auch das griechische Denken und die griechische Sprache in Asien verbreitet.
Damit wurde Alexander unbewusst auch zu einem Wegbereiter einer neuen Eroberung, die dieses Mal ihren Ursprung in Asien hatte, genauer gesagt in Israel. Deswegen lässt die Apostelgeschichte die Mission Europas in Philippi beginnen. Paulus tritt hier zum ersten Mal auf dem europäischen Kontinent als der Bote des neuen Königs auf, der aus dem Osten kommend Europa erobern will. Die griechische Kultur und Sprache, die Alexander in den Orient getragen hat, ist nun eine wichtige Hilfe für das Christentum, die Menschen mit dem neuen König, dem Sohn Gottes bekannt zu machen. Denn auch Alexander fühlte sich als Sohn eines Gottes.
Aber dieser König und Sohn Gottes, den Paulus verkündet, ist so ganz anders, als Alexander, der ein arroganter, brutaler Machtmensch war, der selbst alte Freunde tötete, wenn sie ihm widersprachen. Und an die christliche Gemeinde in dieser Stadt Philippi, in der Alexander wohl bekannt war, schreibt Paulus nun einen Brief, in dem er einen Hymnus, ein Lied zitiert, dass in der frühen Christenheit bekannt war:

„Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen;
er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.
Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen,
damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihr Knie beugen vor dem Namen Jesu
und jeder Mund bekennt: Jesus Christus ist der Herr zur Ehre Gottes, des Vaters.“ (Phil 2,6-11)
 
Jesus Christus ist das Gegenstück zu Alexander, dem Großen. Der machte sich selber zum Gott. Der wahre Sohn Gottes dagegen hält nicht daran fest wie Gott zu sein, er entäußerte sich vielmehr und wird den Menschen gleich, und zwar auch den wertlosesten Menschen seiner Zeit, den Sklaven. Damit gibt dieser Sohn Gottes natürlich gerade den Menschen, die an Rande der Gesellschaft leben Hoffnung, dass Gott sie nicht im Stick lässt. Das machte das Christentum auch so attraktiv bei den einfachen und armen Menschen in der Zeit des Paulus. Sie spürten, das ist kein Gott, der letztlich wieder auf der Seite der Mächtigen steht. Nein, der Gott der Christen steht auf der Seite der Menschen, die am Rande stehen. Und das sollte uns als Christen der heutigen Zeit auch zu denken geben. Denn vor dem Hymnus schreibt Paulus einiges darüber, wie die Gesinnung der Christen sein soll und endet mit dem Satz: „Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht“ (Phil 2,5). Und dann folgt dieser Christushymnus.
Das heißt dann doch, dass wir als Christen wie Jesus bereit sein sollen, uns zu denen zuzuneigen, die marginalisiert und an den Rand gedrängt werden. Jesus ist am Kreuz gestorben. Zu diesem Tod verurteilten die Römer vor allem Sklaven. Also Menschen, die zu den Entrechteten ihrer Zeit gehörten. Das sollten wir als Christen nie vergessen. Und die Konsequenz daraus heißt, dass wir als Christen deshalb schon die Entrechteten und Marginalisierten unserer Tage nicht aus dem Auge verlieren dürfen. Sie sollen wir unterstützen und ihnen helfen, dass auch sie ein menschenwürdiges Leben führen können.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag und eine gute Woche.

Herzliche Grüße Peter Seibt, Pfarrer San Jose Miraflores .