Gesegnete Pfingsten

Liebe Gemeinde,

anbei ein weiterer Gruss zu Pfingsten, da ja in Deutschland der heutige Montag ebenfalls ein Feiertag ist.
Ich bin sicher, dass die Reflexionen von Padre Seibt auch bei Ihnen/ Euch willkommen sind.

Ich wünsche Ihnen/ Euch allen, auch im Namen des Vorstandes, ein gesegnetes Pfingstfest!
Mit den besten Grüssen,

Reinhart Hönsch.

Ihr/ Euer

Reinhart Hönsch.  


Zu Pfingsten  31.05.2020

Liebe Leserinnen und Leser der evangelischen Gemeinde, ich grüße Sie herzlich und hoffe sie hatten ein schönes Pfingstfest trotz der wenig erfreulichen Ausgangssperre. Einige Gedanken zu Pfingsten darf ich ihnen nachträglich senden.
50 Tage nach der Auferstehung Jesu erlebten die Jünger ein besonderes Ereignis. (Apg 2,1-11) Der Heilige Geist erfüllte sie und sie getrauten sich zum ersten Mal ihre selbstgewählte Quarantäne zu verlassen und den Menschen zu verkünden, dass Jesus auferstanden ist und lebt. Dabei geschieht etwas Wunderbares. Menschen verschiedener Sprachen verstehen die Jünger, obwohl die keine Fremdsprache sprechen. Der Geist bewirkt dieses Wunder. Und viele Ausleger heute deuten dieses Pfingstwunder in der Weise, dass der Heilige Geist die Jünger mit seiner Liebe erfüllt hatte, so dass die vielen Menschen, die sie hörten, sie plötzlich verstehen konnten. Die Liebe, die Gott schenkt, ist eine Sprache, die jeder gutwillige Mensch verstehen kann. 
Am Anfang der Bibel steht zu diesem Sprachenwunder eine Antigeschichte. Es ist Geschichte vom Turmbau zu Babel. (Gen 11,1-9) Sie wird am Vorabend des Pfingsttages vorgelesen. Da haben die Menschen noch eine Sprache. Und um die zu erhalten, wollen die Menschen von Babel einen Turm bis zum Himmel bauen. Diese archaische Vorstellung eines Turmbaus bis zum Himmel meint, dass die Menschen sein wollen wie Gott. Sie glauben, sie können alles aus sich selbst heraus erreichen. Deswegen aber verwirrt Gott die Sprache der Menschen. Im Alten Testament ist es Gott immer, der aktiv eingreift und den Menschen straft. Dabei ist es der Mensch selber. Er vertraut nicht auf Gott. Er vertraut nicht auf Gottes Liebe zu ihm und zu jedem Menschen. Deswegen baut er dann auch Türme um sich herum, er mauert sich und grenzt sich vom Mitmenschen, weil er meint nur so das Leben für sich sichern zu können. Das führt aber zur Sprachverwirrung. Man spricht sogar die gleiche Sprache und versteht sich doch nicht. Denn jeder achtet nur auf sich, dass es ihm gut geht. Der andere ist ihm egal.   
Die Geschichte vom Turmbau zu Babel ist nicht historisch, auch wenn es in Babylonien vor 3000 Jahren viele hohe Tempeltürme gab. Sie ist zeitlos und immer noch aktuell. So kann man durchaus diese Geschichte auf unsere Zeit beziehen. Wir erleben die größte Krise weltweit seit dem zweiten Weltkrieg. Da tritt ein mikroskopisch kleiner Virus auf und legt die Welt weitgehend lahm. Und das in einer Zeit, wo der Mensch glaubte, alles selber beherrschen zu können. In einer Zeit, wo der Mensch meint ohne Gott auskommen zu können, weil er meint, dass er selber wie Gott ist. Und plötzlich tun sich wieder Schranken auf. Grenzen werden geschlossen. Vielfach herrscht Ausgangsperre oder Social- Distancing. In meiner Heimatregion dem Dreiländereck um Basel herum spüren das die Leute sehr deutlich. Da hatte man Jahrzehnte miteinander gelebt. Grenzen spielten keine Rolle. Man hatte Verwandte diesseits und jenseits der Grenze. Und jetzt ist alles dicht. Klar, diese Maßnahmen der Quarantäne sind nicht schlecht. Helfen, dass die Katastrophe nicht noch größer wird. Und doch bauen sie auch Mauern auf.
Von daher stellt sich an diesem Pfingsten die Frage: Wie wird es weitergehen? Denn die Katastrophe ist nicht damit beendet, wenn die Pandemie vorbei ist. Ich fürchte, die sozialen Folgen werden uns noch lange beschäftigen. Viele, vor allem die Armen, werden da unter die Räder kommen. Von daher frage ich mich, ob es dann ein so weiter so gehen kann? Kann der Mensch weiterhin Gott spielen wollen?  
Pfingsten ist ein Fest eines Sprachenwunders. Menschen verstehen andere Menschen, weil die vom Heiligen Geist, vom Geist der Liebe ergriffen sind. Und deswegen ist Pfingsten in diesem Jahr bestimmt eine Herausforderung, dass wir uns auf Gott neu und vertieft einlassen. Gott darf bei uns Gott sein. Wir vertrauen auf diesen Gott, der uns seinen Heiligen Geist schenkt. Und in der Kraft dieses Geistes können wir auch den Mitmenschen lieben und annehmen. Wir müssen uns nicht einmauern und in egoistischer Weise vom anderen abgrenzen. Und wenn dieser Geist Gottes in uns wirkt, dann werden wir die Zeichen dieser Zeit richtig deuten und uns dahin bewegen, eine solidarische Welt zu schaffen, wo keiner mehr in Not und Armut leben muss.
Ich wünsche Ihnen immer wieder die Erfahrung des Heiligen Geistes. Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Zeit trotz aller widrigen Umstände. Bleiben sie gesund! Es grüßt sie herzlich.

Peter Seibt, Pfarrer San Jose, Miraflores.