Oster-Impuls 1 – „Corona“ schenkt Leben

Auf die täglichen Impulse in der Karwoche folgen nun in den kommenden Wochen der nachösterlichen Zeit immer sonntags ermutigende Impulse/Andachten im Wechsel mit Cristo Rey.

Ihr/Euer Pastor Hans-Jürgen Hoeppke


Oster-Impuls 1: „Corona“ schenkt Leben

Gute Geschichten sind rar. Eine der besten wurde vor 155 Jahren geschrieben.

Charles L. Dodgson (1832-1898) unterrichtete Mathematik am Christ Church College in Oxford. 1865 widmete Dodgson unter dem Künstlernamen Lewis Carroll sein erstes und bekanntestes Kinderbuch einer der drei Töchter des Dekans des Christ Church College, Alice Liddell. Es trug den Titel: „Alice im Wunderland“.

In dem Buch spaziert die kleine Alice durch einen Garten und fällt in einen Kaninchenbau. Ab jetzt ist alles anders als vorher. Andauernd verändert sie ihre Größe, ihre Worte verdrehen sich in ihrem Mund, sie begegnet merkwürdigen Gestalten und sprechenden Tieren. Am Ende zweifelt sie sogar an ihrem Verstand.
Warum? Weil einfach nichts mehr sicher ist im Leben. Nichts ist mehr so wie vorher.
Und vor allem: Wer ist sie wirklich?

Schauen wir auf eine Szene:
»Alice und die Raupe sahen sich eine Zeit lang schweigend an. Endlich nahm die Raupe ihre Wasserpfeife aus dem Mund und sprach Alice mit müder, schleppender Stimme an: „Wer bist denn du?“, sagte sie.
Alice erwiderte recht zaghaft: „Ich, äh, ich weiß es selbst kaum nach all dem. Das heißt, wer ich war, heute früh beim Aufstehen, das weiß ich schon. Aber ich muss seither wohl mehrere Male vertauscht worden sein. Ich bin gar nicht ich, wissen Sie?!“« (aus „Alice im Wunderland“ von Lewis Carroll)

Alice im Wunderland ist ein Kinderbuch, dass vor allem die Frage nach dem Selbst stellt: Wer bin ich?

Wer bin ich? Uralte Menschheitsfrage.
Wer so fragt, fragt nicht mehr aus Gewissheiten heraus.
Ich glaube, dass die Suche nach der eigenen Identität und die Suche nach Gott auf das Engste zusammenhängen. Auf der Suche nach uns selbst sind wir immer auch auf der Suche nach Gott.
Der heilige Augustinus beschrieb diese Phase seines Lebens mit einem sprichwörtlich gewordenen Satz. Noch war er nicht Christ geworden und erfüllt von großer Unruhe und tiefer Sehnsucht nach echtem Lebenssinn. Wer würde seine quälenden Fragen beantworten: Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich?
Augustinus fand seine Antwort in Gott selbst. Er schreibt:
»Geschaffen hast du uns auf dich hin, o Herr, und unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir.« (Augustinus, Bekenntnissen 1,1)

Wer aber blind und unbeeindruckt durch das Leben stolpert, wird sich die Frage nach dem Selbst nie stellen. Wer Angst davor hat, in Gott die letzte Antwort finden zu können, wird diese Fragen mit aller Kraft ausblenden oder für längst überholt erklären. Doch wer kann das angesichts von Corona noch?  

Corona scheint dieser Tage den Hut auf zu haben. Corona als ungekrönte Herrscherin. Corona diktiert den Politikern ihre Entscheidungen und uns allen irgendwie unser tägliches Leben.

Und Corona schürt das kalte Feuer der Angst in uns. Plötzlich hören wir nicht nur die Frage nach dem Sinn des Lebens in uns, sondern auch die Frage nach dem eigenen Sterben. Wie wird es sein? Wo wird es sein? Wodurch wird es sein? Wir wissen es nicht. Und das ist auch gut so.  
In diesen Zeiten erscheint Corona wie eine ungekrönte Königin der Angst. Corona ist ein wenig wie die „Herz-Königin“ in „Alice im Wunderland“. Wann immer die will, bringt sie den Tod. Die „Herz-Königin“ zischt nur zwei Worte und dann ist alles vorbei: „Kopf ab!“, schreit sie. Das ist das Todesurteil, das ist das Ende.

Corona. Wusstest Du, dass das Wort aus dem Lateinischen kommt? Übersetzt heißt es:  „Krone“. Denn dieses winzige Virus namens Corona sieht unter dem Mikroskop ein bisschen aus wie eine Krone; überall Zacken. Daher die Bezeichnung. Irgendwie passend. Corona: der Tod mit Krone.  

Ausgerechnet Corona stellt nun die Frage nach dem Leben. Recht so!
Denn da fällt mir noch ein anderer Kronenträger ein: der Mensch, Du und ich! Wir sollten die „Krone der Schöpfung“ sein, wir wollen es gerne sein und doch versagen wir so oft und so jämmerlich.

Warum eigentlich? Warum klappt es nicht besser mit der Schöpfung, der Mitmenschlichkeit, der Gerechtigkeit, der Gleichheit, der Liebe?
Weil wir Menschen gleichsam aus der Schöpfung gefallen sind; schon lange. Durch die Vertreibung aus dem Paradies sind Adam und Eva nicht nur Zacken aus der Krone gebrochen. Seither sind wir Menschen infiziert. Alle. Infiziert von einem ganz anderen Virus. Sein Name ist Sünde. Großes Wort. Schweres Wort. Das Wort, dass wir nicht gern hören. Doch jeder von uns trägt dieses Virus in sich. Und die Krankheit der Selbstverliebtheit, des eigenen Vorteils, des Herrschenwollen über andere wächst unaufhaltsam.  

Wir alle leiden an der Krankheit der Sünde. Der dänische Religionsphilosoph Sören Kierkegaard veröffentlichte 1849, 16 Jahre vor „Alice im Wunderland“, ein Buch über das Virus, das zum ewigen Tod führt, die Sünde nämlich. Es trägt den bezeichnenden Titel: „Die Krankheit zum Tode“. Kein Kinderbuch allerdings.

Seit Adam sich vom Schöpfer getrennt hat, sind wir vom „Sünde-Virus“ infiziert. Seitdem versuchen wir verzweifelt alles aus uns selbst und ohne Gott zu machen. Genau das ist Sünde. Infiziert von diesem Virus gehen wir dem Tod entgegen. Da können wir noch so oft beteuern: Wir sind doch keine Sünder.

Doch was hilft? Gegen die Krone und Herrschaft des „Sünde-Virus“ hilft nur eine andere Corona, eine andere Krone. Es ist die Dornenkrone von Jesus Christus.

Noch ist kein Impfstoff gegen Corona gefunden. Alle arbeiten fieberhaft daran.

Doch der Impfstoff gegen das Sünde-Virus ist längst erhältlich. Er kommt aus Israel. Seit 2000 Jahren ist dieser Impfstoff abrufbar; an jedem Tag und zu jeder Stunde.
 Jeder Mensch hat Zugang dazu: Christi Blut – für Dich vergossen. Lass Dich impfen!

Der Apostel Paulus erklärt das seinem Schüler Titus in einem Brief einmal so:
Jesus Christus hat sich selbst für uns gegeben, damit er uns erlöste von aller Ungerechtigkeit und reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum, das eifrig wäre zu guten Werken. (Titusbrief, Kapitel 2, Vers 14)

Die ersten Christen wussten das ganz genau.
Sie wußten, was wirklich am Kreuz von Golgatha geschehen war. Vergebung. Neuanfang, Sündenfreiheit, verwegendste Hoffnung.
Sie wussten, wer die Frage nach dem „Wer bin ich?“ beantwortet: Jesus.
Sie wussten, wer uns im Leben und im Sterben beisteht: Jesus Christus.
Sie wussten, was von der Trennung von Gott heilt: das Blut von Jesus Christus. 

Sie wussten, dass Jesus nicht im Grab geblieben, sondern auferstanden ist, egal, was draußen vorgeht.
Sie wussten, dass Ostern niemals mehr ausfallen kann.
Die „Dornen-Corona“ von Jesus schenkt Leben.

 

 
Ich wünsche Euch/Ihnen eine gesegnete Woche,
Euer/Ihr Hans-Jürgen Hoeppke


ZUM BETEN

Herr, Du hast am Kreuz die Sünde besiegt. Du hast in der Osternacht der Macht des Todes das Genick gebrochen. Ich bin frei. Ich danke Dir. Amen.

ZUM LESEN
(Brief des Apostels Paulus an Titus, Kapitel 2, Verse 11-15)

Im Alltag für Gott leben
11 Denn Gottes Gnade ist sichtbar geworden, mit der er alle Menschen retten will.
12 Sie bringt uns dazu, dass wir uns von aller Gottlosigkeit und allen selbstsüchtigen Wünschen trennen, stattdessen besonnen und rechtschaffen hier in dieser Welt leben, so wie es Gott gefällt.
13 Denn wir warten darauf, dass sich unsere wunderbare Hoffnung erfüllt: dass unser großer Gott und Retter Jesus Christus in seiner ganzen Herrlichkeit erscheinen wird.
14  Jesus Christus hat sich selbst für uns gegeben, damit er uns erlöste von aller Ungerechtigkeit und reinigte sich selbst ein Volk zum Eigentum, das eifrig wäre zu guten Werken.
15 Das sollst du lehren; ermahne und weise mit allem Nachdruck zurecht. Niemand darf auf dich herabsehen.


Ihr/Euer Pastor Hans-Jürgen Hoeppke