Kar-Impuls 5 – „Der Unterschied“

Kar-Impuls 5 – „Der Unterschied“

 
Wir stehen in der Karwoche. In der Christenheit wird sie auch die Heilige Woche genannt. In diesen Tagen möchte ich Sie/Dich mit kleinen Ermutigungen, Anregungen und Lesevorschlägen begleiten. Ich nenne sie „Kar-Impulse“. 

Ihr/Euer Pastor Hans-Jürgen Hoeppke


Kar-Impuls 6: „Der Unterschied“

Heute ist Karfreitag und ich habe zwei Dinge gesehen.
Das eine: Wir verlieren uns in Unterschiedslosigkeit. Gerade in Zeiten von Corona.
Das andere: Gott erinnert uns auf coole Weise an den Unterschied von Karfreitag.  

Das eine: Was meine ich mit „Wir verlieren uns in Unterschiedslosigkeit“?
Es geschah heute morgen beim Blick aus dem Fenster. Ein Nachbar schleppt eine Matratze Richtung Straßenecke auf einen Müllhaufen. Gekleidet ist er mit Schlabber-T-Shirt und schwarzgelber BvB-Dortmund-Trainingshose. Ein echter Ruhrgebietsanblick. Das ist nicht schlimm, sondern irgendwie liebenswert.

Doch ich dachte: Heute ist Karfreitag und dennoch sieht es aus wie Alltag. Für den Nachbarn wie für viele Deutsche ist Karfreitag nur ein Tag im Kalender. Nichts Besonderes. Die Karwoche hat für viele längst ihre Bedeutung verloren.
In Zeiten von Corona breitet sich auch durch die Kontakt- und Ausgangssperren noch ein anderes Virus aus. Das Virus der Unterschiedslosigkeit. Wer den ganzen Tag, die ganze Woche zu Hause sitzt und nur kurz zum Einkaufen raus kommt, der verliert fast das Gefühl für die Zeit. Alles erscheint gleichgebügelt. Welcher Tag war heute noch gleich?

Wenn es gefühlt nur noch Alltag gibt, wird jeder Tag gewöhnlich. Eine ganze Gesellschaft verliert gerade das Gespür für die Unterschiedlichkeit der Zeiten und Besonderheit bestimmter Tage.

Gott erinnert uns ziemlich cool
Das andere, das mir an diesem Karfreitag auffällt, ist gleichsam ein Gruß von Gott. Im Garten blühen die Tulpen in prächtigen Farben. Ich entdecke ein Dreigespann (siehe Bild).
Eine Tulpe in der Mitte, jeweils eine zur Seite. Die in der Mitte hat einen roten Streifen wie mit einer Kalligraphiefeder hereingemalt. Purpurrot fließt er an der Tulpe herunter wie ein kleiner Streifen Blutes.
Was für ein Zeichen! Gott selbst erinnert mich ausgerechnet heute, am Karfreitag, durch seine Schöpfung an das, was vor 2000 Jahren auf Golgatha geschah.

Auch wenn wir heute keinen Karfreitagsgottesdienst miteinander feiern können, erinnert Gott uns, dass heute ein besonderer Tag ist . Nicht per Video, sondern in natura.  

Die drei Tulpen erinnern mich an die drei Kreuze auf Golgatha (Schädelstätte).
Jesus hängt in der Mitte, die Verbrecher, die zusammen mit Jesus gekreuzigt werden, rechts und links neben ihm. Jesus vergießt sein Blut am Kreuz für uns. Karfreitag.
So lesen wir im Lukasevangelium, Kapitel 23, Verse 32 und 33:   
Mit Jesus wurden zwei Verbrecher vor die Stadt geführt
33 zu der Stelle, die man »Schädelstätte« nennt. Dort wurde Jesus ans Kreuz genagelt und mit ihm die beiden Verbrecher, der eine rechts, der andere links von ihm.

Karfreitag macht den Unterschied. Seit Karfreitag ist ein Tag eben nicht mehr wie der andere. Es war jener Tag, der den Unterschied machte. Jesus macht den Unterschied. Bis heute.

Am 09. April 1945, gestern vor 75 Jahre, wurde der deutsche Pastor Dietrich Bonhoeffer im Konzentrationslager Flossenbürg brutal ermordet. Er hat diesen Tod nicht gesucht und nicht gewollt. Und dennoch begleitet sein starkes Zeugnis bis heute Christen weltweit. Bonhoeffer starb als Widerstandskämpfer gegen die ungerechte und heidnische Nazi-Regierung und er starb als Zeuge für den Glauben an Jesus Christus. Diese scheinbare Niederlage ist bis heute ein Zeichen des Sieges, den Jesus vor 2000 Jahren auch für seinen Nachfolger Dietrich Bonhoeffer errungen hat.  

Bonhoeffer schrieb vor seinem Tod:
„Es ist nicht auszudenken, was Gott aus den Bruchstücken unseres Lebens machen kann, wenn wir sie ihm nur anvertrauen.“ (Dietrich Bonhoeffer)

Es geht nicht darum, den Tod zu suchen. Doch es geht darum, Gott einfach alles hinzulegen, alle Bruchstücke des Lebens. Daraus kann Großes wachsen.

Die Freunde von Jesus, die unter dem Kreuz standen, dachten, dass mit der Folter und der Hinrichtung von Jesus alles aus wäre. Doch Gott machte aus dem elenden Sterben seines eigenen Sohnes das Unausdenkbare: Ostern.

So vertraut Jesus am Kreuz sein Leben Gott ganz und gar an und betet:
„Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist.“ (Psalm 31,6)  

Durch Jesu Tod werden bis heute alle, die sich Gott anvertrauen, durch Freude, Segen, Jubel und auch das Leid des eigenen Lebens, ja selbst durch den Tod hindurchgeführt in das helle Licht von Ostern.
Das, ja das allein, ist am Ende die zentrale Botschaft des Glaubens. Das macht den Unterschied oder wie Bonhoeffer es ausdrückte:
„Wenn man völlig darauf verzichtet, etwas aus sich zu machen, dann wirft man sich Gott ganz in die Arme und das ist Glaube.“ (Dietrich Bonhoeffer)

Das ist das Abenteuer des Glaubens. Es beginnt mit Karfreitag.

Heute können wir uns zwar nicht zum Gottesdienst versammeln. Doch wie wäre es, trotzdem einen Feiertag aus Karfreitag zu machen.
Wie? Zieht Euch was Schönes an. Setzt Euch mit Eurer Familie zu Hause oder auch allein hin, lest diesen Impuls und den Bibeltext unten und singt ein Karfreitagslied (zwei link zu Liedern zum Mitsinden auf Youtube findet Ihr unten: ein neues Lied und ein Klassiker).

Ich wünsche Euch/Ihnen eine gesegnete Karwoche,
Euer/Ihr Hans-Jürgen Hoeppke


Hier der link zum Lied-Video: Zwischen Himmel und Erde
https://www.youtube.com/watch?v=fwYh6s1BRLc
Tipp: schöne Musik und leicht mitzusingen

Hier der link zum Lied-Video: Nun gehören unsre Herzen
https://www.youtube.com/watch?v=UdFf4R6VbJ8
Klassiker - TEXT dazu zum Mitsingen unten:
Text: Friedrich von Bodelschwingh (1938)

Nun gehören unsre Herzen

1. Nun gehören unsre Herzen ganz dem Mann von Golgatha,
der in bitt’ren Todesschmerzen das Geheimnis Gottes sah.
Das Geheimnis des Gerichtes über alle unsre Schuld,
das Geheimnis neuen Lichtes aus des Vaters ew‘ger Huld.

2. Nun in heil‘gem Stilleschweigen stehen wir auf Golgatha,
tief und tiefer wir uns neigen vor dem Wunder, das geschah,
als der Freie ward zum Knechte und der Größte ganz gering,
als für Sünder der Gerechte in des Todes Rachen ging.

3. Doch ob tausend Todesnächte liegen über Golgatha,
ob der Hölle Lügenmächte triumphieren fern und nah:
Dennoch dringt als Überwinder Christus durch des Sterbens Tor,
und die sonst des Todes Kinder, führt zum Lichte er empor.

4. Schweigen müssen nun die Feinde vor dem Sieg von Golgatha,
die begnadigte Gemeinde sagt zu Christi Wegen: Ja!
Ja, wir danken deinen Schmerzen, ja, wir preisen deine Treu,
ja, wir dienen dir von Herzen: Ja, du machst einst alles neu!


ZUM NACHDENKEN
• Sieht mein Alltag durch meinen Glauben an Jesus wirklich anders aus? Mache ich einen Unterschied?


ZUM BETEN
Herr, Du machst den Unterschied. Du trittst für mich ein wie keiner sonst. Immer. Ich kann das nicht begreifen. Und doch macht es mich froh. Ich danke Dir. Amen.

ZUM LESEN
(Lukasevangelium, Kapitel 23, Verse 32-49)

Die Kreuzigung
32 Mit Jesus wurden zwei Verbrecher vor die Stadt geführt
33 zu der Stelle, die man »Schädelstätte« nennt. Dort wurde Jesus ans Kreuz genagelt und mit ihm die beiden Verbrecher, der eine rechts, der andere links von ihm.
34 Jesus betete: »Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!«[2] Unter dem Kreuz teilten die Soldaten seine Kleider unter sich auf und warfen das Los darum.
35 Die Menge stand dabei und schaute zu. Und die Mitglieder des Hohen Rates verhöhnten Jesus: »Anderen hat er geholfen! Wenn er wirklich der Christus ist, der von Gott gesandte Retter, dann soll er sich jetzt doch selber helfen!«
36 Auch die Soldaten trieben ihren Spott mit ihm. Sie boten ihm Essigwasser zu trinken an
37 und riefen ihm zu: »Wenn du der König der Juden bist, dann rette dich doch selber!«
38 Oben am Kreuz war ein Schild angebracht mit der Aufschrift: »Dies ist der König der Juden!«
39 Auch einer der Verbrecher, die mit ihm gekreuzigt worden waren, lästerte: »Bist du denn nicht der Christus, der versprochene Retter? Dann hilf dir selbst und uns!«
40 Aber der am anderen Kreuz wies ihn zurecht: »Du bist genauso zum Tode verurteilt worden wie dieser Mann. Fürchtest du Gott nicht einmal jetzt?
41 Wir werden hier zu Recht bestraft. Wir bekommen, was wir verdient haben. Der hier aber ist unschuldig; er hat nichts Böses getan.«
42 Dann sagte er: »Jesus, denk an mich, wenn du deine Herrschaft antrittst!«
43 Da antwortete ihm Jesus: »Ich versichere dir: Noch heute wirst du mit mir im Paradies sein.«

Jesus stirbt am Kreuz
44 Am Mittag wurde es plötzlich im ganzen Land dunkel. Die Finsternis dauerte drei Stunden;
45 in dieser Zeit war die Sonne nicht zu sehen. Dann zerriss im Tempel der Vorhang vor dem Allerheiligsten mitten entzwei.
46 Und Jesus rief laut: »Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist!« Mit diesen Worten starb er.
47 Der römische Hauptmann, der die Hinrichtung beaufsichtigt hatte, lobte Gott und sagte: »Dieser Mann war wirklich unschuldig!«
48 Betroffen kehrten die Schaulustigen, die zur Hinrichtung zusammengeströmt waren, in die Stadt zurück.
49 Viele Freunde von Jesus standen da und beobachteten das Geschehen aus der Ferne; darunter auch Frauen aus Galiläa, die mit Jesus zusammen nach Jerusalem gekommen waren.

Ihr/Euer Pastor Hans-Jürgen Hoeppke