Kar-Impuls 4 – „Vorbereiten“

Kar-Impuls 4 – „Vorbereiten“
 
Wir stehen in der Karwoche. In der Christenheit wird sie auch die Heilige Woche genannt. In diesen Tagen möchte ich Sie/Dich mit kleinen Ermutigungen, Anregungen und Lesevorschlägen begleiten. Ich nenne sie „Kar-Impulse“. 
 
Ihr/Euer Pastor Hans-Jürgen Hoeppke
 
 
Kar-Impuls 4: „Vorbereiten“

Heute ist Gründonnerstag. Das ist eigenartige Bezeichnung und hat nichts mit der Farbe Grün zu tun. Gründonnerstag kommt vom althochdeutschen Wort für „greinen“. Greinen ist das trauernde Schlucken und Schluchzen, das leise weinende Erinnern. Kurz: Trauern.
 
Woher kommt das?
Es ist die trauernde Erinnerung an den Abend als Jesus verraten, verhaftetet und das erste Mal verhört wurde. Es ist der Abend des Kontrollverlustes. Jesus war kein freier Mann mehr und würde es nie mehr sein. Schon am nächsten Tag würde er hingerichtet werden.
 
Das ist Grund zum „Greinen“, zum Trauern. Seither trauert die Christenheit am Gründonnerstag.
 
Doch der Gründonnerstag hat noch eine zweite tiefe Bedeutung:
Der Gründonnerstag ist ein Tag der Vorbereitung und des Neuanfangs. Er ist der Beginn eines ganz neuen Bundes zwischen Gott und den Menschen.
Jesus kommt mit seinen Freunden am Abend zusammen. Sie werden das Passamahl feiern. Sie sind nicht allein: ca. 200000 jüdische Menschen aus dem ganzen römischen Reich sind wie jedes Jahr in die antike Weltstadt Jerusalem gepilgert, um das Passa in der Nähe des Tempels zu feiern. Alle bereiten sich an diesem Tag vor auf das Fest.
 
Auch Jesus tut, was Hunderttausende tun. Und doch wird es diesmal ganz anders sein. Jesus zusammen mit seinen Freunden zusammen das Lamm essen, sie werden die Bitterkräuter eintauchen und die Mahnungen aus der Tora hören, den 5. Büchern Mose.
Dann nimmt Jesus das Brot und erhebt den Kelch mit dem Wein. Er spricht das vorgeschriebene Dankgebet. Jetzt geschieht etwas, was die Welt für immer verändern wird. Die Freunde von Jesus werden es erst später wirklich zu verstehen beginnen. Jesus sagt: „Dies Brot ist mein Leib für Euch gegeben. Dieser Wein ist mein Blut, dass ich für Euch vergieße.“ (vgl. Lukasevangelium, Kapitel 22, Verse 19-20)
 
Was geschieht hier?  
Vorbereiten. Jesus bereitet sich darauf vor, den Platz des Opferlammes einzunehmen. Er kündigt an, was geschehen wird. Er selbst würde geopfert werden für die Sünde der Welt, die Verfehlungen der Menschen. Er selbst tritt in den Riß zwischen Himmel und Erde. Einen Tag später hängt er am Kreuz zwischen Himmel und Erde. Er vergießt sein Blut und versöhnt so mit Gott alle, die ihm vertrauen, ihm glauben. So macht Jesus den Weg frei zu Gott. Vergebung pur.
All das beginnt an jenem Abend in einem Zimmer in Jerusalem. – Vorbereitung…
 
Doch bevor sie das Passa feiern, bedarf es den ganzen Tag der Vorbereitung. Dazu schickt Jesus seine Freunde aus:
 Jesus gab seinen Jüngern Petrus und Johannes den Auftrag: »Geht und bereitet alles vor, damit wir gemeinsam das Passahmahl feiern können.« (Lukasevangelium, Kapitel 22, Vers 8)
Sie besorgen alles. Sie verhandeln mit dem Besitzer des Hauses, in dem der Raum liegt, wo sie feiern können. Sie besorgen das Lamm, das Brot, den Wein, die Kräuter; einfach alles, was für ein Passa gebraucht wird. Nicht Jesus tut das. Die Jünger tun das. Sie handeln für Jesus in seinem Namen. – Vorbereitung…
 
In dieser so ganz anderen Karwoche geschieht weltweit eine ganz andere Vorbereitung und doch ist sie den Vorbereitungen damals in Jerusalem irgendwie ähnlich.
 
Viele bereiten auch Räume vor, Krankenzimmer, Betten, gehen hin, organisieren, opfern ihre Zeit, setzten dabei ihre Gesundheit aufs Spiel. Sie bereiten vor, was gebraucht wird.
 
Ich denke an die vielen Krankenschwestern und Pfleger, die Ärzte und Logistiker in den Krankenhäusern, die in Deutschland, in Peru und in vielen anderen Ländern zusätzliche Intensivstationen schaffen.
 
Ich denke an die Ambulanzhelfer in New York und Los Angeles, in Bergamo und Rom, in Madrid und Barcelona, die ihr Leben aufs Spiel setzen, weil oft einfache Schutzkleidung fehlt.
 
Ich denke an die oft verzweifelte Vorbereitung in kleinen Krankenstationen und großen Krankenhäusern in Afrika, in Millionenstädten wie Lagos. Kaum Material und trotzdem Versuche, irgendwie vorbereitet zu sein auf Corona.
 
Ich denke an die, die außerhalb der Krankenhäuser den normalen Alltag soweit wie möglich am Laufen halten: die Müllfahrer, die Mitarbeiter von Amazon und DHL, deren Dienstleistungen gerade in diesen Zeiten umso wichtiger ist oder die Verkäufer in den Läden.  
 
Ich denke an die Mitarbeiter in den Deutschen Botschaften in Peru und in aller Welt, die rund um die Uhr Rückflüge für Deutsche vorbereiten und organisieren und mit den örtlichen Regierungen teilweise in schwierigen und nervenaufreibenden Verhandlungen stehen.
 
Vorbereiten… Vieles läuft in diesen Tagen im Hintergrund, so wie die Vorbereitungen der Jünger von Jesus an jenem Gründonnerstag vor 2000 Jahren.
Es ist kein Vorbereiten auf ein Fest, sondern ein Vorbereiten auf das Leiden, dass Corona so vielen bringt und noch bringen wird. Und ich bin gewiss: durch alle diese vorbereitenden Menschen in dieser Karwoche ist Christus am Werk.
 
Was ist das für ein Dienst? Gottesdienst!
In dieser Karwoche finden zwar keine Prozessionen und Gottesdienste statt. Doch das Tun jedes einzelnen Müllarbeiters, jeder Krankenschwester, jedes Arztes, jedes Seelsorgers ist in dieser Zeit ein ganz besonderer Gottesdienst.
 
Berührt hat mich eine Videoansprache von Carlos Castillo, des katholischen Erzbischofs von Lima. Da kommt genau das zum Ausdruck. Die Videobotschaft passt daher gut zur Karwoche und zum Gründonnerstag.
Schaut sie Euch an (link unten). Zu denen unter Euch, die kein Spanisch sprechen, werden die Bilder und die Musik dennoch deutlich reden.
 
Das Video ist übrigens auch - vielleicht ungewollt- zutiefst ökumenisch.
Denn die Hintergrundmusik ist die Instrumentalversion eines der bekanntesten evangelischen Lieder. Es ist eine Melodie mit besonderer Geschichte:
 
Eine kleine Bordkapelle steht zum letzten Mal auf einem großen Schiff. Inmitten einer sich abzeichnenden Tragödie spielt die Bordkapelle einen einfachen Choral.
Als im Jahre 1912 das damals größte und modernste Passagierschiff der Welt auf seiner Jungfernfahrt mit einem Eisberg zusammen stieß, gingen mit der Titanic die Hoffnungen hunderter Menschen unter. Der Untergang der Titanic stand für das Ende eines bedingungslosen Fortschrittglaubens. Der Gedanke, dass das Schiff ebenso unsinkbar sei wie der Fortschritt der Menschheit unaufhaltbar, zerplatzte wie eine Seifenblase. Man erkannte: wir haben viel, doch unser Leben haben wir nicht in der Hand.
 
Unser Leben hat ein Ziel. Und das ist die Begegnung mit Gott.
So spielte die Bordkapelle das Lied: „Näher mein Gott zu Dir“.
(Videolink Text zum Mitsingen siehe unten)
 
Wir alle sind auf dem Weg zu Gott. Wir alle in der Karwoche mit Jesus unterwegs auf dem Weg nach Golgatha. Die Frage ist: Kannst Du einmal vor Gott stehen, weil Du die Versöhnung, die Jesus für Dich vorbereitet, auch angenommen hast und glaubst? – Vorbereiten…  
 
 
Bis morgen zum Karfreitag!
Ich wünsche Euch/Ihnen eine gesegnete Karwoche,
Euer/Ihr Hans-Jürgen Hoeppke
 
 
Hier der link zum Video der Videoansprache von Erzbischof Carlos Castillo:
https://peru21.pe/lima/coronavirus-en-peru-arzobispado-de-lima-compartio-emotivo-video-sobre-medicos-y-trabajadores-que-luchan-contra-el-covid-19-video-noticia/
 
 
Und hier der link zu einem Video von „Näher mein Gott zu Dir“ zum Mitsingen:
https://www.youtube.com/watch?v=-p--TB_q3X8
in diesem Video werden Str. 1, 4 und der zweite Teil von 1 gesungen.
 
 
TEXT zu (Originallänge):
„Näher mein Gott zu Dir“:
Text: Sarah Flower Adams (1841)
Deutsche Übersetzung: Erhard Friedrich Wunderlich (1830-1895)
Melodie: “Bethany” von Lowell Mason
 
1. Näher, mein Gott, zu dir, näher zu dir! 
Drückt mich auch Kummer hier, drohet man mir, 
soll doch trotz Kreuz und Pein dies meine Losung sein: 
Näher, mein Gott, zu dir, näher zu dir.
 
2. Bricht mir, wie Jakob dort, Nacht auch herein, 
find ich zum Ruheort nur einen Stein; 
ist selbst im Traume hier mein Sehnen für und für: 
Näher, mein Gott, zu dir, näher zu dir!
 
3. Geht auch die schmale Bahn aufwärts gar steil, 
führt sie doch himmelan zu meinem Heil. 
Engel, so licht und schön, winken aus selgen Höhn: 
Näher, mein Gott, zu dir, näher zu dir.
 
4. Ist dann die Nacht vorbei, leuchtet die Sonn, 
weih ich mich dir aufs neu vor deinem Thron; 
baue mein Bethel dir und jauchz mit Freuden hier: 
Näher, mein Gott, zu dir, näher zu dir!
 
5. Ist mir auch ganz verhüllt dein Weg allhier, 
wird nur mein Wunsch erfüllt: Näher zu dir! 
Schließt dann mein Pilgerlauf, schwing ich mich freudig auf: 
Näher, mein Gott, zu dir, näher zu dir!
 
 
ZUM NACHDENKEN
• Bereite ich mich (abgesehen vom Ostereierkochen und Schokohäschen kaufen) auf Karfreitag und Ostern vor?  

 
 
ZUM BETEN
Herr, Du hast alles für mein Leben durchdacht und vorbereitet. Ich danke Dir. Hilf mir, mich auf Dich vorzubereiten. Amen.
 
 
ZUM LESEN
Vorbereitungen auf das Passahfest
(Lukasevangelium, Kapitel 22, Verse 7-20)
 
7 Dann kam der erste Tag des Festes der ungesäuerten Brote, an dem das Passahlamm geschlachtet werden musste.
8 Jesus gab seinen Jüngern Petrus und Johannes den Auftrag: »Geht und bereitet alles vor, damit wir gemeinsam das Passahmahl feiern können.«
9 »Wo sollen wir denn das Fest vorbereiten?«, fragten sie.
10 Er antwortete: »Wenn ihr nach Jerusalem kommt, wird euch ein Mann begegnen, der einen Wasserkrug trägt. Folgt ihm in das Haus, das er betritt.
11 Dem Besitzer des Hauses sollt ihr sagen: ›Der Lehrer lässt dich fragen: Wo ist der Raum, in dem ich mit meinen Jüngern das Passahmahl feiern kann?‹
12 Er wird euch ein großes Zimmer im Obergeschoss zeigen, das mit Polstern ausgestattet ist. Bereitet dort alles Weitere vor.«
13 Die beiden Jünger gingen in die Stadt und trafen alles so an, wie Jesus es ihnen gesagt hatte. Dann bereiteten sie das Passahmahl vor.
 
Jesus feiert mit seinen Jüngern das Passahmahl
14 Als die Stunde für das Passahmahl gekommen war, nahm Jesus mit den Aposteln an der Festtafel Platz.
15 »Wie sehr habe ich mich danach gesehnt, mit euch dieses Passahmahl zu essen, bevor ich leiden muss«, sagte er.
16 »Ihr sollt wissen: Ich werde das Passahmahl erst wieder in Gottes Reich mit euch feiern. Dann hat sich erfüllt, wofür das Fest jetzt nur ein Zeichen ist.«
17 Jesus nahm einen Becher mit Wein, sprach das Dankgebet und sagte: »Nehmt diesen Becher und trinkt alle daraus!
18 Ich sage euch: Von jetzt an werde ich keinen Wein mehr trinken, bis Gottes Reich gekommen ist.«
19 Und er nahm das Brot, dankte und brach's und gab's ihnen und sprach: »Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis.«
20 Desgleichen auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: »Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird!«
 
Ihr/Euer Pastor Hans-Jürgen Hoeppke