Kar-Impuls 3 – „Abgeben“

Kar-Impuls 3 – „Abgeben“
 
Wir stehen in der Karwoche. In der Christenheit wird sie auch die Heilige Woche genannt. In diesen Tagen möchte ich Sie/Dich mit kleinen Ermutigungen, Anregungen und Lesevorschlägen begleiten. Ich nenne sie „Kar-Impulse“. 
 
Ihr/Euer Pastor Hans-Jürgen Hoeppke
 
 
Kar-Impuls 3: „Abgeben“

Zwei Tage vor dem Passafest. An jenem Tag vor 2000 Jahren geschieht Einiges in und um Jerusalem.
 
Es ist der Tag, an dem das religiöse Stadtparlament, der Sanhedrin, die Anklage gegen Jesus vorzubereiten beginnt. (vgl. Matthäusevangelium, Kapitel 26, Verse 3-5 und Johannesevangelium, Kapitel 12, Vers 11)
 
Es ist der Tag, an dem eine Frau namens Maria (nicht die Mutter Jesu) in das Haus von Simon geht. (vgl. Matthäusevangelium, Kapitel 26, Verse 6-13 und Johannesevangelium, Kapitel 12, Verse 1-11)
Jesus war ins Haus des Simon eingekehrt.
Doch sein Gastgeber Simon litt an Lepra. Eine ansteckende Krankheit. Hochinfektiös. Ausgerechnet im Haus eines Infizierten war Jesus an jenem Tag zu Gast.
Damals war es ein Skandal, sich mit einem solch infizierten Menschen abzugeben. Simon war nicht nur sichtbar krank. Seine Krankheit macht ihn auch kultisch unrein. Ein Teilnehmen an den Synagogengottesdiensten oder an den Opfern im Tempel von Jerusalem war unmöglich. Die Krankheit trennte nach allgemeiner Auffassung auch die von Gott, die sich mit einem Leprösen abgaben.
Doch Jesus gibt sich mit Simon ab. – Abgeben…
 
Und dann auch noch das: Maria geht zu Jesus. Mitten hinein in das Haus des Simon geht sie. Was erlaubte sich diese Frau in einer Männergesellschaft? Es galt als unsittlich, wenn eine Frau allein zu einem Mann ging, mit dem sie nicht einmal verwandt war. Doch Maria gibt alle Konventionen und Benimmregeln an der Haustür ab. – Abgeben...
 
Warum tut Maria das?
Weil sie ihr Herz ausschütten möchte. Maria gibt Jesus alles ab, was ihr auf der Seele liegt. Er allein kann sie verstehen und tragen. Obendrein gibt Maria auch ihren Reichtum ab. Ganz und gar. So schüttet sie nicht nur ihr Herz bei Jesus aus. Nein, die von Jesus gehörte und erhörte Maria überschüttet Jesus mit ungeheuer kostbarem Öl, einer Salbe aus wertvoller Narde. Sie gibt alles, was sie hat. Und all ihre Liebe gibt sie ab und hin; - sich selbst. – Abgegeben…
 
Die Freunde von Jesus sehen das, verstehen aber gar nichts. Sie sind verärgert. Allen voran Judas. Er regt sich auf: Nicht genug, dass die Freunde mit Jesus im Haus eines Aussätzigen sein müssen. Allein das lag weit außerhalb ihrer Comfortzone. Zu allem Überfluss gab sich Jesus jetzt auch noch mit einer fremden Frau ab! Und überhaupt: Wieviel Armen hätte man mit dem Geld helfen können, das das wertvolle Nardenöl gekostet hatte? Hätte man mit dem Erlös nicht einen Armenfond einrichten können?
– Abgeben…
 
Es ist der Tag, an dem Judas, der Schatzmeister des Jüngerkreises, auch abgibt. Es ist ein ganz anderes Abgeben als das Abgeben der Maria. Judas gibt Jesus auf und ab.  Er tut es für 30 Silberlinge. Abgeben kann billig schmecken. – Abgegeben…
 
All das geschah zwei Tage vor dem Passafest. Der Mittwoch in der Karwoche wurde so zum Tag des Abgebens.
 
Was geben wir ab?
Geben wir in diesen Zeiten unser Vertrauen auf Jesus ab? Ist unser Glaube an Jesus ein einziges Auf und Ab? Oder geben wir uns Jesus hin, verlieren uns in seiner Güte, nehmen ihn auf und strahlen ihn aus?
 
In diesen Zeiten macht nicht Lepra unrein, sondern Corona. Gute Gründe und pure Angst halten Abstand.
In dieser Karwoche ist es nicht einfach, ganz und gar auf Jesus zu setzen. Doch was haben wir zu verlieren? Nichts. Im Gegenteil: wir können nur gewinnen.
 
Jesus selbst ruft uns auch in dieser Karwoche. Völlig abstandslos kommt er hinein in unser Leben. ER scheut sich nicht vor dem, was wir so aufwendig vor andern und vor uns verbergen. ER kommt und lädt uns ein, zu ihm zu kommen. ER lädt uns zum Abgeben ein. Er tut das heute genauso wie vor 2000 Jahren.
Schließlich steht nicht einfach als fromme Deko über dem Eingang unserer Christuskirche in Lima, was Jesus sagt:
„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ (Evangelium nach Matthäus, Kapitel 11, Vers 28)
 
„Erquickt“ werden. Ach, schönes altes Wort. Wieder frisch werden. Keinen Durst mehr haben nach Sinn im Unsinn der Zeiten. Zukunft und Neuanfang geschenkt bekommen. All das ist möglich durch Abgeben. Mach`s wie Maria: Gib IHM ab, was Dich beschwert!
 
Ich wünsche Euch/Ihnen eine gesegnete Karwoche,
Euer/Ihr Hans-Jürgen Hoeppke
 
 

ZUM NACHDENKEN
• Wo drückt der Schuh?

• Was darf ich abgeben? Mein Nachtragen, meine Schuld, meinen Zorn, meine Hoffnungslosigkeit, meinen Sorgengeist, mein Grübeln, meine Angst? Oder ist es etwas ganz anderes?
 
 
ZUM BETEN
Herr, Du hast alles gegeben. Deshalb kann ich abgeben. Ich lege Dir hin, was mich bedrängt und bedrückt. Ich wage einen Neuanfang mit Dir. Gib mir den Mut, den Maria hatte. Hilf mir, wie sie Zeichen der Wohltat zu setzen unter meinen Freunden, Bekannten, Arbeitskollegen und in meiner Familie. Ich danke Dir. Amen.
 
 
ZUM LESEN
Kommen und Abgeben
„Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“
(Evangelium nach Matthäus, Kapitel 11, Vers 28)
 
und
 
Verschwörung gegen Jesus
(Matthäusevangelium, Kapitel 26, Verse 1-16; vgl. auch Johannesevangelium Kapitel, 12,1-11)
 
Als Jesus diese Rede beendet hatte, sagte er zu seinen Jüngern:
2 »Ihr wisst, dass übermorgen das Passahfest beginnt. Dann wird der Menschensohn an die Menschen ausgeliefert und ans Kreuz genagelt werden.«
 
Zu derselben Zeit versammelten sich die obersten Priester und die führenden Männer des Volkes im Palast des Hohenpriesters Kaiphas.
4 Sie berieten darüber, wie sie Jesus heimlich festnehmen und umbringen lassen könnten.
5 Sie waren sich aber einig: »Es darf auf keinen Fall während der Festtage geschehen, damit es nicht zu einem Aufruhr im Volk kommt.«
 
Ein Vermögen für Jesus
6 Jesus war in Betanien zu Gast bei Simon, der früher einmal aussätzig gewesen war.
7 Während der Mahlzeit kam eine Frau herein. In ihren Händen hielt sie ein Fläschchen kostbares Öl, mit dem sie den Kopf von Jesus salbte.
8 Als die Jünger das sahen, regten sie sich auf: »Das ist ja die reinste Verschwendung!
9 Dieses Öl ist ein Vermögen wert! Man hätte es verkaufen und das Geld den Armen geben sollen.«
10 Als Jesus ihren Ärger bemerkte, sagte er: »Warum macht ihr der Frau Schwierigkeiten? Sie hat etwas Gutes für mich getan.
11 Arme, die eure Hilfe nötig haben, wird es immer geben, ich dagegen bin nicht mehr lange bei euch.
12 Indem sie das Öl auf mich goss, hat sie meinen Körper für mein Begräbnis vorbereitet.
13 Ich versichere euch: Überall in der Welt, wo Gottes rettende Botschaft verkündet wird, wird man auch von dieser Frau sprechen und von dem, was sie getan hat.«
 
Der Verrat
14 Anschließend ging einer der zwölf Jünger, Judas Iskariot, zu den obersten Priestern
15 und fragte: »Was zahlt ihr mir, wenn ich Jesus an euch ausliefere?« Sie gaben ihm 30 Silbermünzen.
16 Von da an suchte Judas eine günstige Gelegenheit, um Jesus zu verraten.
 
 
Ihr/Euer Pastor Hans-Jürgen Hoeppke