Gruss und Kar-Impuls 1

Gruß von Pastor Hans-Jürgen Hoeppke

Wie geht es Dir? Das würde ich gerne jeden von Euch persönlich fragen.
Es wäre eine „normale“ Frage. Doch was ist schon „normal“?

Für mich war wenig „Normales“ in den letzten Wochen und Monaten:
Rücktransport aus Peru, ein weiterer Krankenhausaufenthalt in Deutschland. Daran schloss sich fast sieben Wochen lang eine stationäre Reha-Behandlung an. Und noch immer sind die Folgen der Krankheit spürbar. Doch ich bin sehr froh, dass es mit jedem Training besser wird.

Eigentlich wollten wir im April nach Peru zurück, doch nun stellt sich noch Corona in den Weg und alles ist wieder anders.
Nun müssen wir alle abwarten, egal ob in Peru oder in Deutschland. Wir alle sitzen in unseren Wohnungen, manche einsam und allein. Wir können kaum raus und erleben die Einschränkungen, die die weltweite Corona-Krise ganz persönlich für jeden bedeutet.
Millionen von Menschen sind ganz unterschiedlich betroffen. Die einen verlieren liebe Menschen, die anderen ihr Leben selbst, wieder andere ihre Arbeit, viele bangen um ihre Unternehmen. Die Ungewissheit, wie es weitergehen wird, ist eine schwere Last und für jeden so anders, dass ich mir kaum ausmalen kann, wie all diese Schwierigkeiten und Leiden zu bewältigen sind. Das gilt sicher auch für viele in unserer Gemeinde. – Wir sehnen uns nach „Normalität“.

Doch jede Krise hat auch ihre Chancen. Die Gemeinde hat in den letzten Monaten nach meinem Schlaganfall in hervorragender Weise zusammen gestanden. Es ist in dem gewohnt guten Miteinander geplant und gearbeitet worden.
Ganz besonders danke ich unserem Kirchenvorstand, der mit soviel Energie und Einsatz gearbeitet hat. Reinhart Hönsch koordinierte viele Kontakte und hielt mich persönlich auf dem Laufenden. Danke, Reinhart!
Auch das Prädikantenteam inspirierte die Gemeinde mit guten Gottesdiensten und schickt jetzt in Zeiten, da keine Gottesdienste mehr gefeiert werden können, gute Hinweise auf Video-Gottesdienste im Internet. Herzlichen Dank!
Dankbar bin ich auch für die Unterstützung, die wir als Gemeinde durch die Hilfe von Cristo Rey hatten und haben.

Wir wollen jetzt umso mehr auf Jesus vertrauen. Bitte gebt nicht auf!
ER schenkt uns neue Zuversicht und Mut, alles durchzustehen. Das hat ER uns fest versprochen!

Unten findet Ihr den ersten Impuls der kleinen Reihe „Kar-Impulse“.

Bis morgen,
Euer/Ihr Hans-Jürgen Hoeppke


Kar-Impuls 1 – „Genügsam sein“

Wir stehen am Anfang der Karwoche. In der Christenheit wird sie auch die Heilige Woche genannt. In diesen Tagen möchte ich Sie/Dich mit kleinen Ermutigungen, Anregungen und Lesevorschlägen begleiten. Ich nenne sie „Kar-Impulse“. 

Ihr/Euer Pastor Hans-Jürgen Hoeppke


Kar-Impuls 1: „Genügsam sein“

Genug ist für die meisten nicht genügend. Nichts reicht aus, alles soll mehr werden: das Geld, der Luxus, die Liebe. Die Wirtschaft soll wachsen, der Wohlstand sich mehren.
Genug? Noch lange nicht! Wir sind auf mehr getrimmt.

Doch in diesen Corona-Zeiten setzt sich ein winzig kleines Virus auf Alles. Es bringt den brummenden Wirtschaftsmotor plötzlich ins Stottern, es verhindert den kleinen Luxus eines Restaurantbesuches, es ist eine Herausforderung für den liebenden Umgang, wenn zu Hause alle aufeinander hocken, es wird zur totbringenden Krankheit für Jung und Alt.  
Plötzlich muss alles genügen, genug sein: Der kurze Gang auf den Balkon, der einsame Einkauf einmal die Woche, die Abgeschiedenheit im Home Office, das letzte Winken am Krankenhauseingang, ohne wirklich Abschied nehmen zu können.

Weltweit machen Menschen nun unmittelbare Erfahrungen von ungeahnten Einschränkungen. Vielleicht liegt in all dem Unverständlichen, ja Schrecklichen, das die Corona-Krise mit sich bringt, auch eine Chance. Die nicht selbstgewählte Isolierung zu Hause kann uns den Blick darauf leiten, wie andere lange vor uns mit Krisen umgegangen sind, die ihr Leben beeinflusst und nachhaltig verändert haben.

Paulus, der bedeutendste Apostel der Kirchengeschichte, wird in eine Krise der ungewollten Genügsamkeit gestürzt.
Er leidet unter einer Krankheit. Welche genau, wissen wir nicht. Paulus bittet Gott um Wiederherstellung seiner Gesundheit. Wieder und wieder. Doch es geschieht nichts. Kein Neuanfang, keine Genesung, kein neues Krafttanken, nichts. Paulus ist frustriert. Er wollte doch mehr, soviel mehr. Nicht einmal für sich wollte er es. Er wollte noch mehr Gemeinden gründen, noch mehr beitragen zur Verbreitung der guten Nachricht von Jesus, ja so viel mehr für Gott selbst.
Und jetzt dies: Paulus muss zwei, drei Gänge zurückschalten, auf Sicht fahren und dauerhaft mit der Krankheit leben.
Dann hört Paulus im Gebet deutlich Gottes Stimme:
„Lass Dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ (Paulus im zweiten Brief an die in Gemeinde in Korinth, Kapitel 12, Vers 9)

Langsam gewinnt Paulus eine ganz neue Sicht: Genug auch genug sein lassen. Das ist gar nicht so einfach. Die Kraft Gottes, von der hier die Rede ist, ist Gottes Gnade. Wir leben von seiner Gnade, durch seine Gnade, in seiner Gnade. Nichts ist mehr garantiert. Wir sind nur einen Herzschlag entfernt von der Ewigkeit. Das zu erkennen, heißt die eigene Schwäche und Endlichkeit annehmen zu können.
Doch was bringt das außer Depressionen? So könnte man fragen. Jene Einsicht ist alles andere als depressiv. Ganz im Gegenteil. Jene Einsicht ist äußerst schöpferisch. Wer sich seiner eigenen Schwäche und Endlichkeit bewusst ist, dem ist Gottes Nähe noch viel deutlicher. Damit aber auch Gottes Kraft. Darauf ist Verlass und daraus und davon zu leben, gibt einen neuen Schwung der Gelassenheit.

In diesen Zeiten der Isolation, der Zurückgeworfenheit auf das Nötigste, liegt wie in jeder Krise eine große Chance. Es ist die Chance, das wirklich Wichtige zu entdecken: Gottes Kraft und seine unerschöpfliche Gnadenquelle, die auch in Zeiten der Eingeschränktheit, des Leidens und mancher Kraftlosigkeit nicht aufhört reichlich zu fließen.

Wie wäre es, in dieser besonderen Karwoche zusammen den Weg mit Jesus nach Golgatha zu gehen in dem Wissen, dass hinter Golgatha das weite Tor der Hoffnung längst aufgestoßen ist: Ostern selbst.  

Ich wünsche Euch/Ihnen eine gesegnete Karwoche,
Euer/Ihr Hans-Jürgen Hoeppke



ZUM NACHDENKEN
• Wie eingeschränkt fühle ich mich wirklich?

• Was brauche ich zum Leben außer Essen und Trinken?  
• Wofür bin ich in dieser besonderen Zeit dankbar?  



ZUM BETEN


Herr, ich leide unter den Einschränkungen. Ich will mehr. Doch ich bin dankbar dafür, dass Du mir mehr Zeit schenkst als sonst. Ich bitte Dich, lehre mich gut umgehen mit Deinem Geschenk. Hilf mir, dass ich Dir mehr Zeit schenke im Gebet und mir mehr Zeit nehme für die, die mir jetzt nahe sind. Amen.


ZUM LESEN
2. Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Korinth, Kapitel 12, Verse 1-10

Gottes Kraft und unsere Schwachheit

1 Freilich ist solches Eigenlob im Grunde Unsinn und nützt niemandem. Aber ihr lasst mir ja keine Wahl. Deshalb will ich jetzt diesen Gedanken zu Ende führen und von Visionen und Offenbarungen berichten, die der Herr schenkt.
2 Ich kenne einen Menschen, der mit Christus eng verbunden ist.* Vor vierzehn Jahren wurde er in den dritten Himmel entrückt. Gott allein weiß, ob dieser Mensch leibhaftig oder mit seinem Geist dort war.
3 Und wenn ich auch nicht verstehe, ob er sich dabei in seinem Körper befand oder außerhalb davon – das weiß allein Gott –,
4 er wurde ins Paradies versetzt und hat dort Worte gehört, die für Menschen unaussprechlich sind.
5 Was dieser Mensch erlebt hat, das will ich rühmen. Bei mir selbst aber lobe ich nur meine Schwachheit.
6 Doch auch wenn ich mich selbst loben würde, wäre ich noch lange nicht verrückt, schließlich entspräche es der Wahrheit. Ich verzichte aber darauf, denn niemand soll mich überschätzen, sondern mich nur nach dem beurteilen, was er an meinem Leben sehen und aus meinen Worten hören kann.
7 Gott selbst hat dafür gesorgt, dass ich mir auf die unbeschreiblichen Offenbarungen, die ich empfangen habe, nichts einbilde. Deshalb hat er mir ein quälendes Leiden auferlegt.** Ein Engel des Satans darf mich mit Fäusten schlagen, damit ich nicht überheblich werde.
8 Dreimal schon habe ich den Herrn angefleht, mich davon zu befreien.
9 Aber er hat zu mir gesagt: »Lass Dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.« Darum will ich vor allem auf meine Schwachheit stolz sein. Dann nämlich erweist sich die Kraft von Christus an mir.
10 Und so trage ich für Christus alles mit Freude – die Schwachheiten, Misshandlungen und Entbehrungen, die Verfolgungen und Ängste. Denn ich weiß: Gerade wenn ich schwach bin, bin ich stark.

* Paulus spricht hier von sich selbst und deutet einige seiner göttlich inspirierten Visionen an.
** Paulus wechselt in die Ich-Form und beginnt von seinem Krankheitsleiden zu berichten, dass ihn in seiner Tätigkeit dauerhaft einschränken würde.

Ihr/Euer Pastor Hans-Jürgen Hoeppke