„Auf dem Weg nach Ostern“ - Etappe 15: Andere Ziele

Auf dem Weg nach Ostern
 
26. März 2021 – ANDERE ZIELE
Pastor Hans-Jürgen Hoeppke


Heute: aus Lukas 22 – Text unten

Schauen wir voraus in die Karwoche. Schauen wir auf eines der tragischsten Ereignisse der Karwoche. Schauen wir auf die Säule, den Fels, die personifizierte Verlässlichkeit unter den Jüngern von Jesus. Schauen wir auf Petrus. Wie konnte ein treu ergebener Jünger sich mit einem Mal von Jesus abwenden?

Die Szenen des Verrats und der Verleugnung finden wir gegen Ende einer langen und emotional aufreibenden Woche, die mit großer Freude und Verheißung begann.

Am Anfang stand ein emotionaler Höhepunkt. Jesus zog ein in Jerusalem. Er wurde von den Massen triumphal empfangen. Die Menschen schwangen Palmzweige: Der König kommt! Die Jünger von Jesus waren voller Stolz. Was für ein Chef! Erfüllte sich nicht vor ihren Augen die Prophezeiung Sacharjas über einen unkonventionellen zukünftigen König? Ein König nicht im Streitwagen, sondern auf einem Esel (Sacharja 9,9). Die Jünger wurden Zeugen dieses historischen Momentes. Sie waren stolz; auch Petrus.

Doch schon in den ersten Tagen nach dem Einzug von Jesus in Jerusalem wurde ein anderes Gefühl unter den Jüngern stark: Gefahr war im Anzug, ja Lebensgefahr. Gerüchte über Verschwörungen der religiösen Führer, geheime Pläne, Jesus und die Jünger gefangen zu nehmen, machten die Runde.

Versuchen wir uns ein wenig in Petrus und die anderen Jünger hinein zu versetzen. Die Jünger müssen frustriert gewesen sein. Denn Jesus tat scheinbar nichts, um die Gefahr abzuwenden. Er machte keine Anstalten, sich zu wehren.
Im Gegenteil. Heizte Jesus die Lage nicht noch an?
Er vertrieb die Kaufleute und Betrüger aus dem Tempel (Matthäus 21,12-13). Er prophezeite, dass der Tempel, dieses prachtvolle Bauwerk, das Herodes über Jahrzehnte hatte errichten lassen, schon bald zerstört werden würde (Matthäus 24,1-2).

Der Höhepunkt der Verunsicherung für Petrus aber war das Passahmahl. Jesus aß das Passalamm zusammen mit seinen Jüngern in einem Raum, den Petrus und Johannes im Auftrag von Jesus gesucht und hergerichtet hatten (Lukas 22,8). So feierten sie auch in diesem Jahr, wie schon so oft, ein typisches Passahmahl. Doch während des Passamahles sprach Jesus immer wieder von Seiner kommenden Verhaftung und von Seinem Tod durch die Hand Seiner Feinde (vgl Lukas 22).
Warum? Petrus muss sich verwundert gefragt haben, wie ein König herrschen konnte, wenn er sich mit seiner bevorstehenden Gefangennahme einfach abzufinden schien. Doch Jesus ging noch weiter. Er sagte, dass er seine Jünger verlassen würde. Stattdessen würde er ihnen den Geist Gottes senden. Diese Vorstellung machte sie traurig und auch ein wenig wütend (vgl. Johannes 14). War das Ziel der Königsherrschaft von Jesus nicht greifbar nahe? Warum dann diese Reden von Jesus?

Petrus hatte alles verlassen. Er hatte alles auf eine Karte gesetzt. In Jesus sah er den versprochenen Messias. Doch wie konnte der Messias es nun zulassen, gefangen genommen und getötet zu werden? Petrus war verunsichert. Er wollte das nicht zuzulassen. Er würde kämpfen und sein Leben einsetzen, um seinen Meister zu beschützen. Doch Jesus ließ sich nicht von Petrus beeindrucken (Lukas 22,33-34). Er machte die traurige Vorhersage, dass alle Jünger Ihn verlassen würden, und einer Ihn sogar verraten würde, ein anderer verleugnen. Der andere war Petrus. Das sagte Jesus Petrus auf den Kopf zu. Es war, als ob Er auf eine Weise in Petrus Seele schauen konnte, wie Petrus sich selbst nicht sehen konnte. Und Petrus erkannte, dass er andere Ziele hatte als Jesus.

Gebet:
Herr, hilf mir heute Deinen Willen zu leben und zu tun; nicht meinen. Amen.

Zum Nachdenken: Was verunsichert meinen Glauben? Glaube ich, dass ich mein innerstes Denken vor Jesus verbergen kann? Habe ich andere Ziele als Jesus?

BIBELTEXT ZUM NACHLESEN:

Petrus behauptet, Jesus nicht zu kennen.
54 Die Männer verhafteten Jesus und führten ihn zum Palast des Hohenpriesters. Petrus folgte ihnen in sicherem Abstand. 55 Im Hof des Palastes zündeten sie ein Feuer an, um sich zu wärmen. Petrus setzte sich zu ihnen. 56 Im Schein des Feuers bemerkte ihn eine Dienerin und sah ihn prüfend an. »Der Mann da war auch mit Jesus zusammen!«, rief sie. 57 Doch Petrus widersprach: »Das ist unmöglich! Ich kenne ihn überhaupt nicht!« 58 Kurz darauf sah ihn ein anderer und meinte: »Du bist doch einer von seinen Freunden!« »Ausgeschlossen! Ich doch nicht!«, wehrte Petrus ab. 59 Nach etwa einer Stunde behauptete wieder einer: »Natürlich gehörte der hier zu Jesus; er kommt doch auch aus Galiläa!« 60 Aber Petrus stieß aufgebracht hervor: »Ich weiß nicht, wovon du redest.« In diesem Augenblick – noch während er das sagte – krähte ein Hahn. 61 Jesus drehte sich um und sah Petrus an. Da fielen Petrus die Worte ein, die der Herr zu ihm gesagt hatte: »Ehe der Hahn heute Nacht kräht, wirst du dreimal geleugnet haben, mich zu kennen.« 62 Er ging hinaus und weinte voller Verzweiflung.-

Lukasevangelium 22,54-62

 


 

Wie immer:
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Ich wünsche Euch/Ihnen eine gute, gesegnete und gesunde Woche,
Euer/Ihr Hans-Jürgen Hoeppke