Sonntagsbotschaft – BARMHERZIG SEIN

Eigentlich wollte ich zu Beginn des Neuen Jahres eine Neujahrsbotschaft per Video aufnehmen.
Doch das alte Jahr endete für uns unerwartet anders als gedacht und gehofft und so begann das neue Jahr nicht leicht für uns.
Mehr dazu werde ich in der nun verschobenen Neujahrsbotschaft am 17. Januar sagen.
So sende ich heute eine geschriebene Botschaft.
 
Ich wünsche Euch allen zunächst ein gutes, gesegnetes und in diesen Zeiten vor allem gesundes neues Jahr 2021!
Es ist wichtig, gerade dieses Jahr mit der festen Gewissheit zu beginnen, dass Gott gnädig und mit großer Freundlichkeit auf uns schaut. Wir sind ihm nicht egal. Er kennt uns beim Namen, er weiß was uns bewegt, er sieht, was vor uns liegt. Gott wird uns in diesem neuen Jahr 2021 begleiten. Wir dürfen uns von ihm einladen lassen, auf ihn zu hören, mit ihm zu leben, ihm zu folgen.
 
Über jedem neuen Jahr steht ein besonderes Wort der Bibel. Es ist die sogenannte Jahreslosung. Ein Vers, der alljährlich ausgelost wurde. Heute ist das Verfahren durch eine Abstimmung ersetzt worden. Die Verse für die nächsten Jahre werden schon einige Jahre im Voraus bestimmt.
Doch niemand weiß, wie das jeweilige neue Jahr aussieht. Niemand kennt die großen und kleinen Wirkungen einen noch in der Zukunft liegenden Jahres. Wird die Jahreslosung „passen“?
Im Moment des Auslosens bzw. heute des Abstimmens, weiß niemand, welcher Bibelvers gewählt wird. Ein spannender Moment.
Warum ein Losverfahren bzw. eine Abstimmung? Weil dadurch verhindert wird, dass sich Kirche und Gemeinde gleichsam immer wieder die gleichen und bekannten Lieblingsverse geben. Ein solches Verfahren ist Anspruch und Zuspruch zugleich.
 
Anspruch, weil ein Bibelwort sehr herausfordernd sein kann; persönlich und für die Gemeinde.
 
Zuspruch aber immer, weil Gottes Wort stets Ausdruck seiner Wertschätzung und liebenden Zuwendung und Zuneigung für jeden ist.
 
Die Jahreslosung für 2021 steht im Lukasevangelium, Kapitel 6, Vers 36. Es ist ein Wort von Jesus selbst und lautet:
„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“
Ein klares Wort. Eine deutliche Ansage, ein guter Anspruch. Gleichzeitig ist jenes Wort ein wegweisender und tröstender Zuspruch.
 
Der Anspruch:
Barmherzig zu sein scheint uns nicht in der DNA zu stecken. Warum? Barmherzig sind wir gerne nur mit uns selbst. Wir erwarten Barmherzigkeit von anderen für fast alle Lebenssituationen. Wir möchten Verständnis, Einfühlsamkeit und Mitgefühl in Fragen des Zusammenlebens, des Arbeitsplatzes, der Gesundheit, der Liebe; eigentlich überall. Doch sind wir auch bereit, anderen ein solches verständliches Einfühlen entgegen zu bringen?
Offensichtlich haben wir es damit schwer, denn sonst hätte Jesus diese Aufforderung so nicht formuliert.
Und genau das ist es: eine Aufforderung, ein Imperativ, eine Anweisung sogar. Das ist der Anspruch der Barmherzigkeit.
 
Der Zuspruch:
Barmherzigkeit haben wir erfahren und erfahren sie täglich. Durch manche Wendungen, ja Zufälle in Begegnungen, im Zusammenleben, am Arbeitsplatz, durch wiederhergestellte Gesundheit, durch manche Gabelung auf unserem Lebensweg, durch die Liebe von Menschen, die uns schätzen und tragen.
Die Erfahrung der Urbarmherzigkeit liegt weit zurück in unserer Kindheit. Hilflos werden wir in diese Welt geboren und erleben zuerst die bedingungslose Mutterliebe. Diese Liebe überlässt uns nicht uns selbst. Die Liebe der Mutter trägt uns, sie nährt uns, sie drückt uns bergend an ihr Herz, sie prägt uns.
So, ja genau so, sagt Jesus, handelt der Vater im Himmel mit uns. Und deshalb können wir barmherzig sein, weil unser Vater im Himmel barmherzig ist. Wir haben seine Liebe erfahren, wir haben sein Wort gehört, wir dürfen ihm folgen.
 
Schritte der Barmherzigkeit:
Wie wäre es, Schritte der Barmherzigkeit zu tun?
Ganz konkret:
Bestehe in diesem neuen Jahr nicht auf deinem Recht.
Setze nicht, egal ob mit sanftem oder hartem Druck, durch, was Du meist, durchsetzen zu müssen.
Werde nicht zum Knecht Deiner Wünsche und Sehnsüchte, die Du verwirklichst sehen willst.
Behandele Deine Angestellten als Gottes geliebte Kinder. Schenke Deiner Familie mehr Verzeihen als notwendig.
Sei am Ende barmherzig mit Dir selbst, denn wenn Du andere nicht überforderst, braucht Du das auch nicht mit Dir selbst zu tun.
Lerne und lebe barmherzige Gelassenheit.
 
Wie wäre es, in jede Begegnung, in jede Vorbereitung, in jedes Gespräch zu gehen mit der Frage:
Wie kann ich dem anderen am besten dienen?
Sei gewiss, dass daraus schnell die zarte Pflanze der Barmherzigkeit wächst. Am Ende steht sie da wie ein starker Baum.
– Barmherzigkeit: Andere werden sie Dir anmerken und ansehen. Und Du selbst erlebst die ungeahnte Freiheit, die das Barmherzigsein Dir schenkt.
So wage es, der Einladung Jesu für dieses Jahr zu folgen:
„Seid barmherzig, wie euer Vater im Himmel barmherzig ist.“ – Lukasevangelium 6,36
  
Ich wünsche Euch/Ihnen ein gesegnetes neues Jahr 2021 und eine gute und gesunde Woche,
Euer/Ihr Hans-Jürgen Hoeppke
 
Wie immer:
Falls Sie/Ihr ein Gespräch mit Pastor Hoeppke sucht, sendet einfach eine E-mail an die bekannten Kontaktdaten: pastor@ev-kirche-peru.org